Tempera
Antike – heute
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Material & Aufbau
Arbeitsweise & Prozess
Wirkung & Bildsprache
Historische Bedeutung
Tempera basiert auf Pigmenten, die mit einem wässrigen Bindemittel vermischt werden. Historisch am bedeutendsten ist die Eitempera, bei der Eigelb als Emulsionsbinder dient. Das Eigelb verbindet Wasser und Fett und schafft so eine stabile, schnell trocknende Farbmasse. Gemalt wurde traditionell auf Holztafeln, die zuvor mit mehreren Schichten Kreidegrund (Gesso) vorbereitet wurden. Diese helle, glatte Oberfläche verstärkt die Leuchtkraft der Farben und ermöglicht präzise Linienführung. Im Gegensatz zur Ölmalerei enthält Tempera nur geringe Fettanteile – sie trocknet daher schnell und matt.
Tempera verlangt Disziplin und Vorausplanung. Da die Farbe rasch anzieht, können Übergänge nicht weich „verblendet" werden wie bei Öl. Stattdessen entstehen Modulationen durch feine, überlagernde Pinselstriche. Die Malerei erfolgt meist in dünnen, deckenden Schichten. Licht- und Schattenwirkungen werden durch systematische Aufhellung und Abdunklung aufgebaut – nicht durch Lasuren, sondern durch klar gesetzte Farbwerte. Die Technik erlaubt kaum Korrekturen. Jede Linie muss sitzen. Dadurch entsteht eine kontrollierte, fast konstruktive Bildlogik.
Tempera erzeugt eine matte, klare Oberfläche. Farben wirken leuchtend, aber nicht glänzend. Formen erscheinen deutlich konturiert, Räume strukturiert und stabil. Im Unterschied zur späteren Ölmalerei entsteht Tiefe weniger durch weiche Übergänge, sondern durch präzise Staffelung von Farbflächen. Die Wirkung ist ruhig, ausgewogen und von hoher formaler Strenge. Tempera eignet sich besonders für lineare Kompositionen, klare Figurenführung und symbolisch strukturierte Bildräume.
Vor der Verbreitung der Ölmalerei war Tempera über Jahrhunderte hinweg das dominierende Medium der europäischen Tafelmalerei. Besonders im Mittelalter und in der Frührenaissance prägte sie religiöse Bildprogramme und ikonografische Traditionen. Mit der Entwicklung der Öltechnik verlor Tempera an Bedeutung, blieb jedoch als bewusst gewählte Methode erhalten – vor allem dort, wo Klarheit und Struktur im Vordergrund stehen sollten. Tempera steht für eine Kunst des Maßes: nicht weich und atmosphärisch, sondern klar und gebaut.